Zindel, Daniel: Hirtenzeit
Zindel, Daniel: Hirtenzeit

Hirtenzeit – Die eigene Geschichte neu lesen!

Jetzt anhören

Eine Buchbesprechung von Christiane Rösel

Da hat mich etwas echt berührt! Wieder einmal lerne ich durch eine persönliche Geschichte. Was für eine tolle «Kombi»: Eine Bergwanderung mit der eigenen Lebensgeschichte zu verbinden – und das Ganze grundehrlich und immer wieder auch mit einem Augenzwinkern.

Irgendwie kann ich das erste Mal mit dem «Hirtenbild» etwas anfangen. In einer Urlaubswoche greife ich zu diesem Buch von Daniel Zindel «Hirtenzeit». Für ihn verbirgt sich hinter diesem Wort, dass wir «Hirtinnen und Hirten» unserer Seele sind. Und gleichzeitig Gott noch einmal einzuladen, gerade auch an dieser Schwelle zum Ruhestand, unsere Erinnerungen in «seine Hut» zu nehmen.

Wie bewerte ich mein Leben?

«Es ist nicht egal, von welcher Warte her man sein Leben deutet und von welchem Referenzpunkt her wir Bilanz ziehen. Da muss man auch auf der Hut sein! Beurteilen wir unsere Biografie von den Karrierezielen her, die wir erreicht oder aber verpasst haben? Von unserem materiellen Wohlstand? Von der Anzahl der Kinder und Enkel? Von dem Kreis der Freunde, der gesellschaftlichen Stellung her? Von der Summe des Glücks oder dem Gewicht des Leids im Leben? Von woher verstehen wir und wie bewerten wir unsere Biografie? Ich lade Sie immer wieder dazu ein, Ihre Erinnerungen unter dem Blick der liebenden Aufmerksamkeit Gottes zu bewegen und zu bewerten.» (S. 11)

Erinnerungen hüten und heilen lassen

Die Etappen einer Wanderung in den Graubündener Bergen – also «Heidiland», für alle nicht Ortskundigen – mit der eigenen Lebensgeschichte zu verknüpfen, kommt so leicht daher, dass auch die schweren Erfahrungen, von denen Daniel Zindel erzählt, gut eingebettet sind. Wirklich gute Fragen laden gleichzeitig dazu ein, zu überlegen: Wie ist das eigentlich bei mir? Jedes Kapitel schließt mit einem persönlichen Gebet, und verarbeitet auf diese Weise das Gesagte. Die Gestaltung des Buches mit wunderschönen Fotos hilft dazu, es gerne in die Hand zu nehmen. Und die geerdete und naturverbundene Spiritualität des Autors, lässt uns immer wieder in sein Herz blicken. Mit dieser Offenheit riskiert er auch etwas, aber gerade das bewegt. Er stößt mit seinem Schreiben bei mir einen eigenen Reflexionsprozess an, der anknüpft an manche Schritte, die ich in den letzten Jahren schon gegangen bin. Aber er blickt nicht nur zurück, sondern auch nach vorne: Was erwarte ich jetzt vom Leben und von Gott? Kommen zur «Lebensernte» noch eine «Nachlese und Spätlese»?

Du bist bei mir auf all meinen Wegen

«Herr, du, mein Gott, mit bestem Wissen und Gewissen habe ich meine Lebensspur gelegt. Ich erkenne erst jetzt im Rückblick, wie klug oder naiv ich manchmal gewesen bin. Da habe ich mich mit felsenfester Überzeugung, klaren Prinzipien und dem vermeintlichen Wind deines Geistes im Rücken auf den Weg gemacht. Wir haben manches erreicht und die Mühen haben sich gelohnt. Ich danke dir dafür.
Aber ich bin nicht immer ans Ziel gekommen. Ich habe auch etliches verpasst und Schiffbruch erlitten. Bis heute rätsle ich manchmal herum, warum es nicht geklappt hat. Lag es an mir, an den Umständen, den Knüppeln, die mir Menschen zwischen die Beine warfen? Nach all den Jahren steigt in mir manchmal noch die Wut hoch.
Ich tröste mich nicht mit dem Spruch, dass der Weg das Ziel ist. Das ist mir zu billig. Als wäre es egal, ob man das Ausflugsziel erreicht hat oder wegen einer Panne umkehren musste. Aber was ist mein Trost? Das bist du, mein «Wege-Gott», du Vater Abrahams, Isaaks und Jakobs. Das bist du, Vater meines Meisters, der vordergründig am Kreuz gescheitert ist, und den du auferweckt hast, du Urgrund aller Erlösung.
Ich danke dir, dass du mich auf all meinen Straßen, auf denen ich unterwegs war, begleitet hast. Auf all meinen Königswegen, Umwegen, Irrwegen und Kriegspfaden bist du wie eine gute Mutter und ein Vater mitgekommen. Ich danke dir für deine treue Begleitung, dir mir oft kaum bewusst war. Ich habe mir unterwegs Mühe gegeben, meine Liebe Mühe gehabt und dir und anderen Menschen manchmal Mühe gemacht. Trotzdem bist du mitgegangen, nicht immer mit großer Freude, aber mit der Größe deiner unerschütterlichen Treue. Dafür danke ich dir und danke es Menschen, die mich gehalten und ausgehalten haben. Das gilt auch für die Zukunft. Denn das gute Werk, dass du in mir begonnen hast, wirst du vollenden bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus kommt. Amen.» (S. 80/81)

Du hast es vielleicht schon gemerkt, eine große Leseempfehlung von mir. Ein Buch, in das ich immer wieder einmal reinschauen werde:

Zindel, Daniel: Hirtenzeit

Buchtipp

Daniel Zindel

Ein geistlicher Wanderweg durch die eigene Lebensgeschichte

Erschienen im SCM Verlag
Preis: 20 €


Consent Management Platform von Real Cookie Banner